23. Juli 2025
Wie bleibt man gesund, wenn man ständig für andere sorgt? 1

Diese Frage beschäftigt viele – vor allem jene, die sich Tag für Tag mit unermüdlichem Einsatz um ein pflegebedürftiges Familienmitglied kümmern. Zwischen Medikamentenplänen, Arztterminen und dem ständigen Gefühl, nie genug zu tun, bleibt oft kaum Raum für das eigene Wohlbefinden. Und doch ist gerade die Gesundheit der Pflegenden das Fundament jeder guten Pflege.

Genau hier setzt das bundesweite Projekt „Pflegende An- und Zugehörige im Quartier – Gesundheit fördern, Prävention stärken“ an. Auch das AWO Altenzentrum Heinsberg ist Teil davon. Finanziert vom Verband der Ersatzkassen (vdek) und koordiniert vom AWO Bundesverband gemeinsam mit lokalen Partnern, verfolgt das Projekt ein klares Ziel: Pflegende sollen lernen, nicht nur Verantwortung für andere zu übernehmen, sondern auch für sich selbst.

Vor Ort begleiten Sabine Nöthlichs, Projektkoordinatorin am AWO Altenzentrum Heinsberg, und Maya Lesage vom AWO Bundesverband die Umsetzung mit viel Engagement. Ihr Ziel: pflegende Angehörige stärken – fachlich, emotional und praktisch.

Was macht Pflege so belastend – und was hilft wirklich?

Im AWO-Altenzentrum Heinsberg kamen pflegende Angehörige zusammen, um genau darüber zu sprechen. Grundlage war das bio-psycho-soziale Modell von Gesundheit, das den Menschen nicht nur als Körper, sondern auch als fühlendes und soziales Wesen versteht. Zur Orientierung diente das Regenbogenmodell von Dahlgren & Whitehead – es zeigt, wie stark Gesundheit auch von Umwelt, Lebensstil und sozialem Miteinander abhängt.

Die Erfahrungen, die geteilt wurden, waren ehrlich – und mitunter erschütternd. Erschöpfung durch Schlafmangel, Rückenschmerzen, Schuldgefühle, Überforderung, soziale Isolation. Der vielleicht eindrücklichste Satz des Tages: „Die eigene Gesundheit wird hintenangestellt.“

Und doch gibt es sie – die Ressourcen, die stärken.

Spaziergänge, Zeit mit dem Hund, kleine Auszeiten, Achtsamkeit, Gespräche im Freundeskreis, psychologische Begleitung. Vor allem aber der Austausch mit Menschen, die Ähnliches erleben. Viele sagten: „Man muss lernen, Dinge abzugeben.“ – ein Schritt, der nicht leichtfällt, aber entlastet.

Was brauchen pflegende Angehörige konkret?

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entwickelten klare Ideen für ihren Alltag in Heinsberg: leicht zugängliche Beratung, verständliche Informationsangebote – etwa zu Demenz oder Kommunikation –, mehr Tagespflegeplätze, vor allem auch am Wochenende. Gewünscht wurden auch lokale Selbsthilfegruppen mit gesundheitsfördernden Inhalten wie gemeinsames Kochen, Bewegung oder Resilienztraining. Besonders eindrücklich: die Idee eines festen Ortes bei der AWO, an dem Wissen, Austausch und Selbstfürsorge zusammenkommen – eine „Tankstelle für die Seele“, wie es jemand nannte.

Fazit: Wer pflegt, braucht selbst Fürsorge – nicht nur Wissen.

Das Projekt zeigt: Pflegequalität entsteht nicht nur durch Fachkenntnis, sondern auch durch die Stärke derjenigen, die sie leisten. In Heinsberg wird dieser Ansatz greifbar. Mit einem Konzept, das wissenschaftlich fundiert ist – und gleichzeitig mitten im Leben ankommt.

Sabine Nöthlichs und Maya Lesage betonen: „Pflege darf nicht zur völligen Selbstaufgabe führen. Wir wollen pflegende Angehörige in ihrer Rolle stärken – und dafür sorgen, dass sie selbst gesund bleiben.“

Denn gute Pflege beginnt nicht am Krankenbett. Sie beginnt bei denen, die sie Tag für Tag ermöglichen. Und sie brauchen mehr als Applaus – sie brauchen Kraft, Raum und echte Unterstützung.

Wie bleibt man gesund, wenn man ständig für andere sorgt? 2
Wie bleibt man gesund, wenn man ständig für andere sorgt? 3
Wie bleibt man gesund, wenn man ständig für andere sorgt? 4
Wie bleibt man gesund, wenn man ständig für andere sorgt? 5
Array

Beitrag teilen